Faszinieren dich auch die kleinen Details, an denen viele Leute achtlos vorübergehen? Mit Nahaufnahmen kannst du plötzlich Dinge sichtbar machen, die man mit freiem Auge gar nicht erkennen kann: Die Schachbrett-Augen eines Schmetterlings oder das Innenleben einer Blüte.

Tolle Motive für Nahaufnahmen findest du zu jeder Jahreszeit. Hier sind unsere Tipps für dich, damit du deine Entdeckungen mit wunderschönen Bildern festhalten kannst!

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Für so einen kleinen Schärfebereich ist ein Makro-Objektiv optimal.

So stellst du deine Kamera für Nahaufnahmen ein

Auswahl der Blende oder des Programms

ACHTUNG: Falls du mit einem Makro-Objektiv fotografierst, mußt du die Kamera etwas anders einstellen. Lies dafür die Info am Ende des Beitrags durch!

Stelle eine offene Blende ein, um den Hintergrund unscharf zu machen, sodaß sich dein Motiv abhebt. Je nach Objektiv kann das bei dir z.B. die f/2,8, f/4 oder auch f/5,6 sein. Je kleiner die Zahl deiner offenen Blende ist, desto leichter ist es, den Hintergrund unscharf zu machen.

Wenn du derzeit noch mit Automatik fotografierst, wähle das Makro-Programm aus (meist ein Blumen-Symbol). Da stellt die Kamera automatisch eine offene Blende ein.

Zusätzliche Einstellungen, beim Fotografieren mit Stativ

Verwende ein Stativ, wenn du eines hast, denn bei Nahaufnahmen ist sonst die Verwacklungsgefahr besonders hoch. Die vielen Vorteile eines Stativs kannst du hier nachlesen.

Wenn du ein Stativ verwendest, nimm‘ folgende Einstellungen vor:

  • Schalte den Bildstabilisator auf deinem Objektiv aus, wenn du einen hast. Dieser Verwacklungschutz läuft unter verschiedenen Bezeichnungen, z.B. VR (für Vibration Reduction). Falls du nicht sicher bist, ob du einen hast, schau‘ im Handbuch von deinem Objektiv nach. ACHTUNG: Vergiß nicht, den Bildstabilisator gleich wieder einzuschalten, wenn du Freihand fotografierst!
  • Stelle den Selbstauslöser ein und stelle ihn auf 2-3 Sekunden. So wird dein Bild noch schärfer.

Auswahl von ISO und Belichtungszeit

Idealerweise stellst du eine möglichst niedrige ISO Zahl ein, damit du ein Foto mit hoher Qualität rausbekommst. Ob das geht, hängt von mehreren Faktoren ab, wie z.B. wieviel Licht du hast oder, ob sich dein Motiv bewegt oder nicht. Wenn du beim Einstellen der ISO noch nicht so sattelfest bist, findest du in unserem Artikel ISO einstellen viele Tipps.

Wenn du draußen filigrane Motive, wie Blumen oder Gräser fotografieren willst, suche dir einen möglichst windstillen Tag aus. Oft hat man das Gefühl, dass gar kein Wind geht, bis man durch den Sucher schaut und versucht, Makro-Aufnahmen zu machen 😉

Wenn sich dein Motiv – aus irgendeinem Grund – bewegt, stelle eine kürzere Belichtungszeit ein, z.B. 1/500 Sekunde. Zoome danach in das Bild und prüfe nach, ob es scharf ist. Wenn es noch unscharf ist, mache die Belichtungszeit noch kürzer, z.B. 1/1000 Sekunde. Falls das Foto dir dann zu dunkel ist, stelle eine höhere ISO Zahl ein, z.B. 200 oder 250.

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Bei dieser Nachtaufnahme haben wir unsere Stirnlampe als Beleuchtung verwendet.

Richtig Fokussieren bei Nahaufnahmen

Auf dem kleinen Kameramonitor hat man schnell das Gefühl, dass ein Foto scharf ist, aber laß dich da nicht täuschen! Besser ist, wenn du in das Bild reinzoomst und prüfst, ob der Fokus wirklich dort liegt, wo du ihn haben möchtest und ob dein Motiv tatsächlich scharf ist. Gerade bei Nahaufnahme mit sehr kleinen Motiven liegt man schnell mal daneben mit dem Fokus.

Bei Nahaufnahmen hast du wenig Tiefenschärfe. Versuche daher die Schärfe auf das vorderste Drittel deines Motivs zu legen. ACHTUNG Ausnahme: Wenn du Tierchen fotografierst, immer auf’s Auge scharfstellen! Am besten geht das mit Hilfe der Live View. Die Live View einschalten und in den Ausschnitt hineinzoomen. Dann den Fokuspunkt genau auf’s Auge scharf stellen.

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Die Linie des Blatts führt den Blick direkt zur Libelle, die sich auch durch den Farbkontrast abhebt.

Wie du den richtigen Blickwinkel für Nahaufnahmen findest

Damit sich dein ausgewähltes Motiv möglichst gut vom Hintergrund abhebt, mußt du mit deiner Kamera so nah wie möglich herangehen

Tipp: Bei Tieren mußt du aufpassen, dass kein Schatten von dir oder deiner Kamera darauf fällt, sonst fliegen oder laufen sie weg, weil sie einen Feind aus der Luft vermuten 😉

Versuche einen ruhigen Hintergrund zu finden. Wenn um deinen Käfer lauter Gräser und Ästchen herum sind, wirst du dir schwer tun, ihn auf deinem Bild hervorzuheben. Auch wenn dein Motiv auf der gleichen Ebene/Höhe ist, wie vieles andere rundherum, funktioniert es nicht, dass der Hintergrund unscharf wird.

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Aus dieser Perspektive ist es unmöglich die Umgebung unscharf zu machen.

In so einem Fall hilft nur, sich auf den Boden zu legen und auf Augenhöhe mit deinem Motiv zu gehen. Bei Blumen versuche eine zu erwischen, die alleine oder höher heraus steht. Versuche immer die Perspektive so zu wählen, dass du viel Abstand zum Hintergrund hast, dann wird er schön unscharf.

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Bleibe länger bei einem Motiv und versuche dein Foto zu verbessern.

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Hier haben wir den Standpunk optimiert, den Stängel schräg gesetzt und den Ausschnitt stark reduziert. Kamera-Einstellungen: ISO 500, f/5,6, 1/50 Sek.

Achte darauf, dass an den Rändern nichts Störendes ins Bild steht, z.B. ein Grashalm. Auch sehr helle oder sehr dunkle Flecken ziehen den Blick des Betrachters stark an und lenken von deinem eigentlichen Motiv ab.

Schau‘ dir das Bild unten an und beobachte, wo dein Blick hinwandert. Dann nimm‘ ein Blatt Papier oder deine Hand und verdecke die weiße Blüte. Überprüfe dann nochmal, wohin es deinen Blick jetzt zieht.

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Die helle Blüte lenkt den Blick vom eigentlichen Hauptmotiv weg.

Wie du dein Motiv bei Nahaufnahmen positionierst

Neben dem richtigen Blickwinkel kannst du dich auch mit der Positionierung deines Blickpunkts, dem Format und Farbkontrasten spielen. 

Das Hochformat eignet sich z.B. wenn du ein Motiv aufnehmen willst, das eine Linie bildet, wie z.B. ein Grashalm oder eine Blume mit Stängel. Noch dynamischer ist das Bild, wenn diese Linien eine Diagonale bildet, etwa von einem Stängel. 

Hier haben wir zusätzlich die Drittel-Regel angewandt. Dafür teilst du das Foto – wie bei 3 gewinnt -gedanklich in 9 gleich große Rechtecke. Dann kannst du dein Hauptmotiv auf einen der Kreuzungspunkte oder entlang der Linien positionieren. Bei vielen Kameras kann man diese Drittel-Teilung auch einblenden. Das ist eine super Hilfe für den Einstieg, um spannendere Fotos zum machen. 

Tipp: Hol‘ dir unsere kostenlose Naturfoto-Checkliste für die Hosentasche, auf der wir die wichtigsten Tipps zusammengefasst haben.

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Setze dein Hauptmotiv auf einen Kreuzungspunkt. Nutze Linien, um den Blick zu führen.

Auch im Querformat schaut es spannender aus, wenn du deinen Blickpunkt aus der Mitte rückst. Bei diesem alten Foto haben wir die Drittel-Regel nicht berücksichtig, daher liegt die Muschel von der Höhe her ca. in der Mitte. Noch interessanter wäre das Foto, wenn die Muschel etwas weiter unten liegen würde. 

Was bei diesem Foto aber ganz toll funktioniert ist der großartige Farbkontrast zwischen dem Blau und dem Schwarz. Ein toller Farbkontrast kann z.B. auch der blaue Himmel als Hintergrund sein, wenn du Blumen, Getreide oder Äste fotografierst. 

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Eine offenere Blende (kleinere Zahl) hätte die Muschel noch besser hervorgehoben.

Bei runden Motiven, wie z.B. Blüten eignet sich das Quadratformat perfekt. Dann macht es Sinn, das Motiv genau mittig zu platzieren. Dadurch wirkt die Bildkomposition sehr ruhig. Da du das Foto mit der Kamera nicht quadratisch aufnehmen kannst, mußt du es nachher in einem Bildbearbeitungsprogramm entsprechend zuschneiden.

Wichtig ist trotzdem, dass du schon bei der Aufnahme im Kopf hast, dass das Foto später ein Quadrat sein soll. Einerseits um es entsprechend zu komponieren und andererseits, um möglichst wenig vom Bild wegschneiden zu müssen, da das immer die Qualität beeinträchtigt.

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Auch dieses Foto lebt vom Farbkontrast. Das Ästchen führt zum Hauptmotiv. Hier lenkt nichts ab.

Natürlich sind diese Regeln nicht in Stein gemeißelt und du kannst frei experimentieren. Motive, die z.B. sehr nah am Rand positioniert sind und auf der anderen Seite viel Raum haben, bringen oft starke Spannung ins Bild, auch weil sie von den typischen Positionierungen abweichen.

Besonderheiten eines Makro-Objektivs

Bei einem Makro-Objektiv hast du bei offener Blende nur einen minimalen Schärfebereich. Um eine Blume oder eine Raupe zur Gänze scharf abzubilden, müsstest du die Blende eher zumachen, z.B. f/14.

Welche Vorteile hat ein Makro-Objektiv?

  • Du kannst super nah an dein Motiv herangehen und kleinste Details aufnehmen, die mit einem normalen Objektiv nicht möglich sind.
  • Der Hintergrund ist wunderschön verschwommen, auch bei geschlossener Blende. So kannst du dein Motiv leichter vom Hintergrund abheben
  • Die meisten Makro-Objektive sind Festbrennweiten. Das heißt sie haben keinen Zoom, dadurch sind sie günstiger.
  • Es ist lichtstark. Das bedeutet, dass du auch bei weniger Licht noch mit niedrigen ISO-Einstellungen fotografieren kannst. Dadurch haben deine Fotos eine höhere Qualität.

Zum Fotografieren von Tieren ist ein Makro-Objektiv mit einer Brennweite im Telebereich von mindestens 90 mm sinnvoll, damit man ihnen nicht so auf den Leib rücken muß. Wir sind seit vielen Jahren mit unserem Tamron 90 mm Makro-Objektiv für unsere Nikons vollauf zufrieden. Das Objektiv gibt es natürlich auch für Canon Anhänger 😉 Blumen kannst du mit diesem Objektiv selbstverständlich genauso gut fotografieren.

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Aufgenommen mit Blende 14, der Hintergrund ist trotzdem schön unscharf

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Trotz f/18 ist der Schärfebereich minimal beim Einsatz unseres Tamron 90 mm Objektivs

Noch mehr Tipps für bessere Nahaufnahmen findest du in unserer Bildanalyse eines Schmetterlingsfotos.

Hat dir der Artikel gefallen? Hast du noch Fragen? Schreib’s uns doch ein Kommentar, wir freuen uns 🙂

About Author

Karin Haffert

Ist die mit dem strengen Auge für die Bildkomposition…und so richtig schön kann man komponieren, wenn das Motiv stillhält. Deswegen mag Karin Stillleben so gerne, Landschaften, Makroaufnahmen und langsame Tiere ;-)

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