Wie Fotografieren ohne Stativ funktioniert ist besonders für Anfänger ein Thema, weil man oft noch keines besitzt. Manchmal hat man auch einfach keines dabei oder ist zu faul es herumzuschleppen ;-) Speziell bei beweglichen Motiven – wie fliegenden Vögeln – ist ein Stativ hin und wieder hinderlich. Deshalb haben wir für dich  Alternativen zusammengefasst, wie du deine Kamera stabilisieren und trotzdem scharfe Fotos machen kannst.

In welchen Situationen du die Kamera stabilisieren solltest

Das Stabilisieren ist immer dann wichtig, wenn du eine Belichtungszeit verwendest, die du Freihand nicht ohne Verwacklung halten kannst. Wieviel das bei dir ist kommt darauf an, wie ruhig deine Hände sind. Ich kann manchmal Belichtungszeiten von 1/30 Sek. halten, bei Karin ist schon bei 1/50 – 1/60 Sek. Schluß.

In solche Situationen kommst du z.B. bei

  • Nachtaufnahmen
  • Langzeitbelichtungen für verwischtes Wasser oder Wolken
  • Dämmerung
  • Makros (aufgrund der geringen Schärfentiefe verwackelt man die sehr leicht!)

Fotografieren ohne Stativ Alternative

Stabilisieren der Kamera durch Auflegen

Such’ dir einfach irgendwelche Gegenstände, auf die du deine Kamera auflegen kannst. Somit musst du das Gewicht der Kamera nicht halten und die Verwacklungsgefahr ist bedeutend geringer. Gerade beim Fotografieren von Tieren, die sich bewegen, ist es ganz praktisch, wenn man die Kamera auf diese Weise frei und schnell schwenken kann.

Fotografieren ohne Stativ

Sollte mal kein so ein Pflock herum stehen, dann nütze eine Parkbank, eine Mauer, deinen Fotorucksack, deine Jacke oder sonstige Dinge, die dir helfen, die Kamera nicht freihändig halten zu müssen. Das ist eine der besten Methoden, um die Kamera zu stabilisieren.

Wenn du länger belichten möchtest, z.B. 0,5 Sek. oder mehr, dann schalte auf der abgelegten Kamera den Selbstauslöser ein, um Verwacklungen zu vermeiden. Falls du auf deinem Objektiv einen eingebauten Verwacklungsschutz hast (bei Nikon nennt sich der z.B. VR für vibration reduction), dann solltest du ihn in diesem Fall ausschalten. Achtung: Danach das Einschalten nicht vergessen!

Die Abstütz Methode

Eine andere Alternative zum Fotografieren ohne Stativ ist das Abstützen. Karin nutzt den liegenden Holzpflock als Sessel und stützt sich mit ihren Oberarmen auf den Knien ab. So stabilisiert sie sich und die Kamera und muss das Gewicht nicht freihändig halten.

Fotografieren ohne Stativ

Die Hock Methode

Sie ähnelt der Abstütz Methode, unterscheidet sich aber darin, dass man tief in die Hocke geht. Dadurch hat man einen sehr niedrigen Schwerpunkt. Die Oberarme können wieder auf die Knie abgelegt werden und das Gewicht der Kamera wird ebenfalls besser verteilt. Nicht auf den Zehenspitzen hockerln, da wackelt man zuviel herum!

Fotografieren ohne Stativ

Diese Methode ist instabiler als die beiden oben vorgestellten Methoden und auch nicht die Knie schonendste Variante. Alternativ kann man sich sonst auch einfach auf den Boden setzen.

Die Anlehn Methode

Ab und zu braucht man mal einen höheren Standpunkt, weil man – so wie ich im folgenden Foto – Vögel im Flug fotografieren will. Da sich diese schnell bewegen, hab ich mich durch Anlehnen an einen Baum stabilisiert. Noch besser wäre es gewesen, wenn ich den Rucksack abgenommen hätte. Das wollte ich in diesem Fall nicht, weil ich mir nicht sicher war, ob er sonst nicht Füße bekommen hätte ;-)

Fotografieren ohne Stativ

Arme anlegen Methode

Ab und zu führt beim Fotografieren ohne Stativ auch kein Weg daran vorbei, die Kamera Freihand zu halten. Hier sollte man aber zumindest schauen, dass man die Oberarme so eng wie möglich am Oberkörper angelegt hat, um sich an diesem zu stabilisieren. Noch besser ist es, auch die Ellenbogen mit etwas Druck anzulegen und vor dem Abdrücken auszuatmen, um Verwacklungen zu vermeiden.

Fotografieren ohne Stativ

Mit all den oben gezeigten Methoden wirst du es schaffen, etwas mehr Stabilität zu erzeugen und kannst somit das Risiko von verwackelten Fotos reduzieren.

Der Bohnensack

Eine weitere Möglichkeit deine Kamera ohne Stativ zu stabilisieren, ist der so genannte Bohnensack.* Den kann man sich getrost selber basteln oder auch kaufen. Hier mal ein Beispielbild, wie so ein Bohnensack verwendet wird:

Fotografieren ohne Stativ, der Bohnensack

Im Endeffekt ist das ein kleiner Polster, der mit Bohnen, Getreide, etc. gefüllt wird. Wir verwenden sowas z.B., wenn wir aus dem Auto fotografieren (auf Safari, wo man nicht aussteigen darf). Wir lassen das Fenster runter, legen den Bohnsack auf die Fensterkante und platzieren dann die Kamera darauf. Die Bohnen verteilen sich so, dass sie ein Verrutschen der Kamera reduzieren und man kann auch den Aufnahmewinkel relativ gut steuern.

Fotografieren ohne Stativ bei Langzeitbelichtungen

Speziell bei Langzeitbelichtungen von Wasser, Nachtaufnahmen oder Landschaftsaufnahmen mit Filter wird dir sehr schnell das Stativ abgehen.

Uns wurde z.B. in Prag nicht erlaubt, das Stativ auf einem der Türme der Karlsbrücke zu verwenden. Leider erst, als wir schon eine Stunde auf den Sonnenuntergang gewartet hatten. Nichts desto trotz wollten wir nicht ohne Foto gehen und waren bei einer Verschlusszeit von 30 Sek. dazu gezwungen, uns eine Alternative einfallen zu lassen.

Wir haben dann die Kamera auf eine kleine Mauer gelegt und sie durch Unterlegen einer Weste in die richtige Position gebracht. Um die Aufnahme ja nicht zu verwackeln, haben wir die Kamera nach dem scharf stellen via Fernauslöser ausgelöst. Mit Stativ wäre das natürlich um etliches einfach gewesen, aber zum Glück hat es trotzdem geklappt. Hier findest du noch mehr Tipps, wie du einfach leicht Nachtaufnahmen machen kannst.

Nachtaufnahme von Prag

All diese Methoden sind jedoch nur eine Notlösung. Tatsache ist nämlich, dass man in den meisten Situationen mit Stativ schönere Fotos macht. In dem verlinkten Artikel erklären wir dir auch warum und geben Tipps, worauf man beim Stativkauf achten muß.

Welche Methode für’s Fotografieren ohne Stativ hat sich für dich bewährt oder bist du immer brav mit Stativ unterwegs?

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About Author

Markus Haffert

Ist der mit dem Technik-Spezialwissen bei den Fotonomaden, egal, ob’s um ein neues Kameramodell, Lightroom oder Photoshop geht. Außerdem ist er der Profi für die quirligen Motive, von Menschen bis zu Moschusochsen :-)

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