5 Tipps, wie du deine Motive toll in Szene setzt

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Ist dir das auch schon mal passiert? Du hast ein tolles Motiv gesehen und ganz begeistert ein Foto davon geschossen. Am Display kommt das Objekt deiner Wahl aber irgendwie nicht so toll rüber, wie du es vor Augen hast. Nicht verzagen! Da gibt’s so einige Tricks, die du anwenden kannst.

Lerne dein Motiv kennen

Die coolsten Fotos sind nur selten Schnappschüsse, sondern bei Profi-Fotografen oft bis ins Detail durchgeplant. Man muß aber nicht gleich übertreiben. Wenn du dir ein bißchen Zeit nimmst, um dein Motiv kennen zu lernen, kannst du deine Fotos auch schon stark verbessern. 

Ein guter Anfang ist z.B. um dein Motiv herumzugehen und es von allen Seiten zu betrachten und schauen, ob es von irgendeiner Seite interessanter ist. Hat die Person, die du fotografieren möchtest Segelohren? Dann ist wahrscheinlich eine Profilaufnahme vorteilhafter. 

Für mich schaut Markus zwar von allen Seiten gut aus, aber ich kann ihn trotzdem besser oder schlechter in Szene setzen 😉

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Die Brückenpfeiler sind ein spannender Hintergrund, aber der Ausschnitt paßt noch nicht.

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Der Ausschnitt ist auf’s Wesentliche reduziert und Markus sticht hervor.

Dieser Ansatz funktioniert übrigens bei Objekten genauso. Bröckelt auf der Westseite der Verputz ab? Dann wähle eine Wand, die besser in Schuss ist. Hat das Gebäude eine besondere Bemalung oder ist davor ein toller Garten? Dann schau‘, dass du diese Details mit einbeziehst. 

Nimm‘ dir Zeit für dein Motiv

Auch das richtige Licht macht einen riesigen Unterschied! Wenn du kannst, versuche rund um Sonnenauf- und untergang zu fotografieren und warte – wenn möglich, bis das Licht paßt. Vermeide möglichst die Mittagszeit mit ihrem grellen Licht und harten Schatten…außer du möchtest gerade diesen Effekt nutzen!

Als wir letzte Woche in Tschechien unterwegs waren, sind wir auf diese verblühte Kastanienallee gestossen. Im Hintergrund hat sich ein Gewitter zusammen gebraut und einen tollen Farbkontrast zu den braunen Blättern gebildet.

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Ein interessantes Motiv, aber das Licht paßt nicht.

Statt zu unserem eigentlichen Ziel weiter zu fahren, haben wir uns entschlossen zu warten. Die Stunde vor Sonnenuntergang ist als goldene Stunde bekannt, weil das warme Seitenlicht alles in ein goldenes Licht taucht. Wir wurden schon nach ein paar Minuten für’s Warten belohnt. 

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Die goldene Stunde wird ihrem Ruf gerecht!

Das Licht hat dann schon super gepasst, aber irgendwie hat uns noch etwas gefehlt. Das Auge schaut an der Straße entlang und bleibt nirgends hängen. Doch dann hatten wir Glück! Die Fahrradfahrer waren der Blickfang, der uns noch gefehlt hatte.

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Motive mit Blickpunkt führen das Auge

Geh vor deinem Motiv in die Knie

Aus Faulheit oder Unwissenheit entsteht der Großteil aller Fotos aus Augenhöhe. Du willst aber nicht das aufnehmen, was alle aufnehmen, oder? Dein Foto soll sich ja abheben, also sei sportlich 😉 Schau‘ mal, wie dein Motiv z.B. von einem ganz tiefen Standpunkt knapp über dem Boden ausschaut. 

Du hast auf deiner Kamera ein Display, das man ausklappen kann? Perfekt, dann nütze diesen Vorteil! Leg‘ deine Kamera auf den Boden auf oder strecke deine Arme aus und fotografiere von oben herunter. Vielleicht kannst du auch irgendwo raufsteigen, um einen erhöhten Standpunkt zu haben.

Überlege dir, was dein Hauptmotiv sein soll und wie du es in Szene setzen willst. Dann mache ein erstes Foto. Probiere verschiedenste Standpunkte aus und wechlse auch mal das Format.

Beim unteren Bild in Budweis hat mir die Dynamik der Brückenlinien gefallen. Markus habe ich ungefähr auf einen Schnittpunkt des goldenen Schnitts platziert. 

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Hier geht Markus als Motiv unter. Die Linie der Brücke führt ins Leere.

Das Foto zeigt eindeutig, dass die Linie der Brücke links zu dominant ist und Markus im Verhältnis zu klein. Die Linie gefällt mir aber und ich will sie nutzen. Also schwenke ich auf Hochformat um und lasse alles Unnötige weg. Markus platziere ich wieder auf einem Kreuzungspunkt im goldenen Schnitt. Wichtig ist bei Personen und Tieren auch, am Foto Platz in die Blickrichtung zu lassen!

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Der Blick wird von der Linie der Brücke direkt zu Markus geführt

Spiele mit deinem Motiv

Die beste Aufnahme ist meistens nicht gleich die Allererste. Such‘ dir einen Standpunkt, von wo aus du aufnehmen willst und mach‘ mal ein Foto. Schau‘ es dir genau an und überlege, was dir daran schon gefällt und was nicht. Jetzt kommt das Verfeinern: Was könntest du besser machen? Hebt sich dein Motiv gut ab? Hast du viel Himmel ohne Wolken drauf, der eigentlich uninteressant ist? Könntest du noch etwas weglassen?

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Erster Versuch: Mich stört die Straße.

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Das Getreide macht einen netten Farbkontrast, ist aber zu dominant. Der Horizont ist schief.

Gerade bei sehr hohen oder tiefen Standpunkten passiert es schnell, dass man auf die schiefe Bahn gerät. Du kannst den Horizont zwar nachher in der Bildbearbeitung gerade stellen, aber da mußt du das Foto beschneiden und wirfst unnötig Pixel weg. Das bedeutet auch einen Qualitätsverlust!

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Die Variante mit Vordergrund gefällt mir besser, der Busch lenkt aber von der Kirche als Motiv ab.

Entscheide, was du verändern willst und mach‘ nochmal eine Aufnahme. Analysiere das Bild wieder. Ist die Verbesserung sichtbar? Stört dich noch etwas? 

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Mit dieser Endversion bin ich zufrieden.

Die störende Straße ist weg. Die gelben Blüten sind ein schöner Farbpunkt, aber dezent. Die Kirche kommt als Hauptmotiv gut zur Geltung.

Bleibe länger bei einem Motiv

Am Schnellsten verbesserst du deinen Bildaufbau, wenn du dich länger einem Motiv widmest und die einzelnen Aufnahmen optimierst. Probiere unterschiedliche Blickwinkel und Formate vom selben Motiv aus und du wirst sehen, wie du in kurzer Zeit bessere Fotos machst! 

Noch mehr Tipps für bessere Bildkomposition findest du hier:

Foto-Analyse: Reisefotografie Kuba

Bessere Nahaufnahmen machen: Bildanalyse Schmetterling

Bildbesprechung Landschaft Island

Lerne von den Fotos anderer und laß dich inspirieren. Schau‘ doch mal auf unserem Instagram account vorbei! 

Du hast noch Fragen zu dem Thema? Hinterlaß uns einfach einen Kommentar. Davon können auch andere lernen! 🙂

About Author

Karin Haffert

Ist die mit dem strengen Auge für die Bildkomposition…und so richtig schön kann man komponieren, wenn das Motiv stillhält. Deswegen mag Karin Stillleben so gerne, Landschaften, Makroaufnahmen und langsame Tiere ;-)

2 Kommentare

  1. Danke für die wirklich hilfreichen Tipps, liebe Karin :)! Ich bin nämlich nicht sehr gut darin, Bilder mit dem gewissen emotionalen Feeling zu machen und habe mich damit getröstet, dass meine Bilder ja zumindest informativ sind 🙈.. Ich werde deine Tipps beherzigen und bei der nächsten Gelegenheit ausprobieren!
    Ganz liebe Grüße aus Vancouver, Shia

    • Karin Haffert
      Karin Haffert on

      Hallo liebe Shia, wie schön von dir zu hören!!! 🙂 Freut mich sehr, dass dir die Tipps gefallen! Übrigens, ich liebe deine wunderschön arrangierten Fotos von euren Wocheneinkäufen <3

      Ich wünsch' dir viel Spaß beim Umsetzen der Tipps und meld' dich ruhig, wenn du Feedback zu deinen Fotos haben magst, würde mir echt Spaß machen!
      Alles Liebe aus dem verregneten Niederösterreich,
      Karin

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