Fasziniert dich Reptilien- und Amphibienfotografie, aber du weißt nicht recht, wie du an die Sache herangehen sollst? Wir haben uns mit Kai Kolodziej einen Experten geholt, der uns tolle Tipps für den Einstieg in die Herpingfotografie verraten hat.

Kai Kołodziej stellt sich vor
Karin: Hallo Kai! Wir freuen uns, dass du dir für ein Interview Zeit nimmst, um unseren LeserInnen Tipps für tolle Amphibien- und Reptilienfotos zu verraten. Möchtest du dich kurz vorstellen?
Kai: Vielen Dank für die Einladung und die Möglichkeit zum Interview!
Mein Name ist Kai Kolodziej, ich bin Biologe, Lehrer und Naturfotograf aus Wien (Österreich).
Schon als Kind war ich sehr von Tieren fasziniert. Mit der Zeit haben sich besonders Reptilien und Amphibien – also jene Tiere, die von vielen Menschen eher skeptisch betrachtet werden – als meine persönlichen Favoriten herauskristallisiert.

Sowohl in meiner Fotografie als auch in meiner Lehrtätigkeit und bei Fotoreisen versuche ich, Menschen für diese faszinierenden Tiere zu begeistern und ihnen ihre Schönheit näherzubringen. Darüber hinaus engagiere ich mich ehrenamtlich als Reptilienbeirat der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie.

Wann fotografiert man Amphibien und Reptilien
Karin: Welche Jahreszeiten und Tageszeiten eignen sich für die Amphibien- und Reptilienfotografie?
Kai: Die besten Jahreszeiten, um Amphibien und Reptilien zu beobachten, sind vor allem das Frühjahr und der Herbst.
Im Frühjahr erwachen die Tiere aus der Winterstarre und beginnen mit der Partnersuche. Besonders Froschlurche sind in dieser Zeit so stark mit der Fortpflanzung beschäftigt, dass sie Fotografen manchmal erstaunlich wenig Aufmerksamkeit schenken.
Im Spätsommer schlüpfen zudem viele Jungtiere der Reptilien, die sich anschließend im Habitat verteilen. Gleichzeitig versuchen viele Tiere, die letzten warmen Sonnenstrahlen zu nutzen, was gute Beobachtungsmöglichkeiten bietet.

Während sich die Jahreszeiten für beide Gruppen ähneln, unterscheiden sich die idealen Tageszeiten deutlich: Für Reptilien sind vor allem der Vormittag und der späte Nachmittag sehr geeignet. Amphibien hingegen sind meist am Abend und in den frühen Nachtstunden besonders aktiv.
Das richtige Wetter für Reptilienfotografie
Karin: Bei welchem Wetter sollte man Amphibien- und Reptilienfotografie machen?
Kai: Ähnlich wie bei den Tageszeiten unterscheiden sich auch die idealen Wetterbedingungen für Reptilien und Amphibien deutlich. Reptilien kann man im Frühjahr besonders gut an sonnigen Tagen beobachten, wenn sie ihre Körpertemperatur durch Sonnenbaden erhöhen. Später im Jahr sind dagegen häufig eher bedeckte Tage geeignet. An sehr heißen Tagen erreichen Reptilien ihre bevorzugte Körpertemperatur schnell und ziehen sich dann oft in schattige Verstecke zurück.

Amphibien hingegen besitzen eine feuchte, empfindliche Haut und bevorzugen daher feuchtes Wetter. Besonders nach Regen oder bei leichtem Nieselregen mache ich mich gerne auf die Suche nach Amphibien.

Gute Plätze für Herping finden
Karin: Wie findet man gute Plätze, um Reptilien und Amphibien zu fotografieren?
Kai: Die Suche nach geeigneten Plätzen beginnt meist mit umfangreicher Recherche. Neben klassischer Fachliteratur nutze ich auch Plattformen wie iNaturalist oder ähnliche Apps. Solche Tools oder Verbreitungskarten geben allerdings meist nur eine grobe Orientierung. Der entscheidende Schritt ist anschließend, zu lernen, ein Habitat richtig zu lesen. Dafür ist es sehr hilfreich, sich im Vorfeld intensiv mit der jeweiligen Art zu beschäftigen und möglichst viel Wissen über ihre Lebensweise zu sammeln.
Generell kann man sagen, dass besonders Randstrukturen für Reptilien interessant sind. Diese bieten sowohl geeignete Sonnenplätze als auch ausreichend Deckung. Amphibien hingegen findet man meist in der Nähe von Gewässern oder in feuchten Lebensräumen.

Ausrüstung für Amphibien- und Reptilienfotografie
Karin: Welche Foto- und sonstige Ausrüstung würdest du für diese Art von Aufnahmen empfehlen?
Kai: Ich arbeite sehr gerne mit einem 100 mm Makroobjektiv. Für besonders scheue Tiere kann jedoch auch ein Teleobjektiv mit möglichst kurzer Naheinstellgrenze sehr hilfreich sein.
Bei Amphibienfotografie in der Nacht ist eine Stirnlampe äußerst praktisch. Außerdem habe ich fast immer einen Blitz mit entsprechender Softbox dabei, um genügend Licht und eine angenehme Ausleuchtung zu bekommen.
Gerade auf nassen Straßen können auch Autoscheinwerfer spannende Gegenlichtsituationen erzeugen, die sich fotografisch sehr interessant nutzen lassen.

Kreative Bildgestaltung bei Reptilien
Karin: Deine Fotos sind mehr im kreativ/künstlerischen Bereich angesiedelt. Welche Tipps hast du für eine interessante Bildgestaltung von Reptilien und Amphibien?
Kai: Ein grundlegender Tipp, der eigentlich für viele Tierarten gilt, ist: Fotografiere möglichst auf Augenhöhe mit dem Tier. Bei Reptilien und Amphibien bedeutet das allerdings oft, sehr niedrig zu arbeiten – deutlich niedriger als bei vielen anderen Motiven. Dieser Perspektivwechsel lohnt sich jedoch sehr, da er ermöglicht, die Tiere in ihrer eigenen Welt darzustellen.

Gerade bei Nachtaufnahmen mit Blitz empfehle ich außerdem, sich ruhig einmal zu trauen, die Blende stärker zu schließen. Dadurch lassen sich häufig Aufnahmen mit schwarzem Hintergrund oder mit größerer Schärfentiefe erzielen, was bei den oft sehr kleinen Tieren hilfreich sein kann.
Darüber hinaus arbeite ich gerne mit der Drittelregel. In Blickrichtung des Tieres lasse ich zudem meist etwas mehr Platz im Bild, sodass das Tier gewissermaßen „in das Bild hinein“ schauen kann.

Die besten Länder für Herping
Karin: Welche Länder eignen sich am besten für Herping (das Finden von Reptilien & Amphibien)?
Kai: Grundsätzlich kommen Reptilien und Amphibien in den meisten Regionen der Welt vor, solange man sich nicht in subarktischen oder arktischen Gebieten befindet.
Ich empfehle immer, zunächst vor der eigenen Haustür zu beginnen. Auch Europa bietet bereits viele spannende Möglichkeiten. Besonders der Mittelmeerraum ist landschaftlich wunderschön und zeichnet sich durch eine deutlich höhere Artenvielfalt aus.

Kroatien ist beispielsweise ein Land, das ich fast jedes Jahr für einige Tage besuche – dieses Jahr ist es sogar möglich mich bei dieser Reise zu begleiten, da ich auch einen Kroatien-Workshop anbiete.
Die Tropen sind wiederum eine ganz andere Welt als Europa. Dort gibt es eine enorme Artenvielfalt – allerdings wird diese oft erst nachts richtig sichtbar. Das ist sicherlich nicht für jeden Fotografen die bevorzugte Arbeitsweise.

Richtiges Verhalten gegenüber Amphibien und Reptilien
Karin: Wie verhält man sich gegenüber den Tieren richtig?
Kai: An Wanderwegen oder bei Ruinen sind Reptilien und Amphibien oft relativ stark an Menschen gewöhnt. Besonders Echsen lassen sich dort häufig gut beobachten und fotografieren.

Wenn ein Tier dennoch flüchtet, empfehle ich Geduld: Bleibt man ruhig und wartet einige Zeit, kommen viele Echsen relativ schnell wieder aus ihrem Versteck. Manchmal werden sie dann sogar regelrecht neugierig.
Vorsichtig sollte man allerdings im zeitigen Frühjahr sein, insbesondere im März. Zu dieser Zeit sind viele Reptilien noch stark auf jede Sonnenminute angewiesen, um ihre Körpertemperatur zu erhöhen. Dann ist es besser, mit Teleobjektiven zu arbeiten und sich den Tieren nicht zu stark zu nähern, damit sie nicht unnötig gestört werden.

Tipps für Einsteiger:innen
Karin: Viele haben Respekt oder sogar Angst vor Reptilien und Amphibien. Was würdest du Einsteiger:innen raten, die sich an dieses Thema wagen wollen?
Kai: Ein guter Einstieg kann eine ehrenamtliche Tätigkeit an einem Amphibienzaun sein. Dabei lernt man sehr viel über Froschlurche, sieht garantiert viele Tiere und leistet gleichzeitig einen wertvollen Beitrag zum Naturschutz.

Grundsätzlich muss man vor diesen Tieren keine Angst haben. In der Regel haben sie deutlich mehr Angst vor uns als wir vor ihnen. Selbst Giftschlangen möchten in erster Linie einfach in Ruhe gelassen werden.
Für den Einstieg in die Reptilienfotografie eignen sich besonders Echsen an Ruinen oder alten Stadtmauern. Diese Tiere sind meist an Menschen gewöhnt und lassen sich oft relativ gut beobachten und fotografieren.
Anmerkung von den Fotonomaden: Wir helfen seit 2021 jährlich bei der Amphibienzaunbetreuung Wenn auch du ehrenamtlich unterstützen willst, wende dich in Österreich z. B. an den Naturschutzbund und in Deutschland an den NABU.

Amphibienfotografie und Artenschutz
Karin: Amphibien gehören laut International Union for Conservation of Nature zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen weltweit. Wie kann man mit und bei der Fotografie zum Schutz dieser Tiere beitragen?
Kai: Fast jede dritte Amphibienart weltweit gilt inzwischen als stark bedroht – und diese Entwicklung nimmt weiter zu. Neben der Klimaerwärmung spielen vor allem Pilzkrankheiten eine große Rolle. Besonders erwähnenswert ist hier der Chytridpilz Bsal, der sogenannte „Salamanderfresser“, der bereits ganze Populationen von Feuersalamandern ausgelöscht hat.
Weitere Informationen zu diesem Thema findet man beispielsweise hier:
Bsal Europe
LFU Bayern
Gerade in diesem Zusammenhang ist die Desinfektion von Gummistiefeln und Ausrüstung sehr wichtig, wenn man in verschiedenen Habitaten unterwegs ist. Ich verwende dafür beispielsweise Virkon S.
Darüber hinaus sollte man bei der Fotografie stets darauf achten, sich vorsichtig im Lebensraum der Tiere zu bewegen und keine Pflanzen oder andere Organismen zu beschädigen.

Vorbereitung für Herping-Touren
Karin: Wie bereitest du dich auf eine Herping-Tour vor?
Kai: Die Vorbereitung auf eine längere Reise beginnt bei mir oft schon mehrere Monate im Voraus. Zunächst besorge ich mir passende Literatur und versuche, erste potenzielle Fundorte zu identifizieren.
Anschließend ergänze ich diese Recherche durch wissenschaftliche Publikationen, Online-Recherchen oder Gespräche mit Biologen und Fotografen. Dadurch bekomme ich meist ein recht gutes Bild davon, in welchen Regionen und Habitaten bestimmte Arten vorkommen.
Wenn möglich, versuche ich ohne Guides zu arbeiten. Sollte dies nicht realistisch sein, suche ich gezielt nach spezialisierten Guides, die ebenfalls aus dem herpetologischen Bereich kommen.
Während der Vorbereitung entsteht meist auch eine Liste mit fotografischen Ideen. Diese dient mir als grobe Orientierung – in der Praxis läuft es vor Ort allerdings oft anders, und man muss flexibel auf die tatsächlichen Gegebenheiten reagieren.

Herping Fotografie Workshops
Karin: Gibt es noch irgendetwas, dass du unseren LeserInnen sagen möchtest?
Kai: Ich kann nur jedem empfehlen, sich selbst einmal auf die Suche nach Reptilien und Amphibien zu machen. Wer sich die Zeit nimmt, genauer hinzusehen, wird schnell feststellen, wie faszinierend und vielfältig diese Tiere sind. Speziell über die Fotografie findet man immer wieder neue Blicke auf diese Tiere und stärkt auch das Bewusstsein von anderen für diese Tiere, welche dringend unseren Schutz benötigen.
Wer sich ein wenig Inspiration holen möchte oder Interesse hat mit mir im Rahmen eines Workshops ins Feld zu gehen, dem darf ich den Weg auf meine Homepage www.kaikolodziej.com empfehlen.





